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Gemeinsam in eine digitale(re) Welt

Direkt von der SXSW aus Austin, TX: "Next-Generation Privacy: Wie begleiten wir unsere Kinder in die digitale Welt"

Direkt von der SXSW aus Austin, TX: „Next-Generation Privacy: Wie begleiten wir unsere Kinder in die digitale Welt“

Das Frühjahr nutze ich immer wieder für eine kreative Auszeit. Wie in den beiden letzten Jahren besuche ich gerade die South-by-Southwest Interactive in Austin, Texas. Die Konferenz und das Festival etablieren sich immer mehr zum Treffpunkt der US- und weltweiten Interactive- und Digitalszene, gepaart mit Musik, Film und (digitalen) Spielen. Neben Frontalvorträgen mit mehreren tausend Zuhörern, die man sicherlich auch online verfolgen könnte, lebt die South-by aber von vielen kleinen Meet-Ups, Pitches und Networking-Veranstaltungen für 10, 20 oder 30 Personen. Meist sind es dort die kleinen Bemerkungen zwischendurch und Kontakte, die viel bewegen und die vor allem komplett andere Sichtweisen und Herangehensweisen als in Europa transportieren.

Kontroverse: Wieviele und wie konkrete Regeln brauchen Kinder im digitalen Leben?

Heute will ich Euch von einem spannenden Panel zum Thema „Next-Generation Privacy: Wie begleiten wir unsere Kinder in die digitale Welt?“ berichten. Eine der beiden Organisatorinnen war Janell Burley Hofmann, die zu Weihnachten 2012 mit Gregory’s iPhone Contract weltweit Aufmerksamkeit erlangte und viele kontroverse Diskussionen erzeugte. Seinerzeit bekam ihr 13-jähriger Sohn zu Weihnachten ein iPhone „geschenkt“, aber nicht ohne die Verpflichtung, einen 18-Punkte-Vertrag zu unterschreiben.

Zum konkreten Vertragstext und vor allem der Formalie und dem Mindset dahinter kann man stehen wie man will, einige Elemente daraus und aus dem heutigen Vortrag auf der South-by sind aber definitiv berichtenswert. Viele Aspekte liefern wertvolle Anregungen für jeden von uns und es gilt daraus – je nach konkreter Familien- und Mediensituation – den passenden Mix zu finden und zu gestalten. Beginnen wir gleich mit zwei wichtigen Zitaten aus der South-by-Session:

„Jeder einzelne Mensch, jede Altersgruppen und jede Kultur pflegt eigene Wahrnehmungen und Bewertungen in Bezug auf die eigene Privatsphäre.“

„Kinder aus wohlhabenden und digitalen Elternhäusern haben es einfacher bei den eigenen Schritten in die digitale Welt – nicht weil sie einfacher an eigene Hardware kommen, sondern weil ihre Chance steigt, dass die Eltern sie auf dem Weg in die digitale Welt altersgerecht begleiten [können].“

Beide Referenten fordern folgerichtig, dass alle Kinder und Jugendliche altersgerecht in die digitale Welt begleitet werden müssen. Dies ist eine Aufgabe für Familien und Öffentlichkeit in gleichem Maße und muss mehr und mehr auch bei Vereinen, Jugendorganisationen, Schulen und Lehrern Einzug halten.

„Goldene Regeln“ für Eltern und Kinder in den digitalen Medien

Im Laufe der Session trugen die Referenten und viele Teilnehmer ihre Sichtweise zum Thema bei und es entstand so eine gehaltvolle Liste von „goldenen Regeln“ für Kinder und Eltern auf dem Weg in die digitale Welt:

  • Beginne so früh wie möglich, auch wenn und solange Deine Kinder noch keine eigenen Geräte haben!
    Digitale Medienerziehung beinhaltet nicht nur den Umgang mit dem eigenen Smartphone, Tablet etc., sondern auch, wie und welche digitalen Inhalte konsumiert werden. Gerade mit Smartphone, iPad, digitalen Videotheken etc. gibt es immer mehr Quellen für digitale Inhalte und den Konsum derer, wo es klare Absprachen und Grenzen braucht.
  • Verhalte Dich online so, wie Du es auch offline tun würdest! Immer – und ohne Ausnahme!
    Wie können unsere Kinder für ein ausgewogenes und reflektierendes Online-Verhalten für sich und gegenüber anderen Menschen sensibilisiert werden? Hofmann schlug hierzu ein zweistufiges Vorgehen vor: 1. Frage Dein Kind, welches Profil es hat bzw. wie es von seiner Umwelt (Familie, Bekannte, Freunde, Schule/Lehrer, Verein) wahrgenommen wird? 2. Spiegelt das aktuelle Online-Profil dieses Offline-Profil aktuell korrekt wieder? Wenn noch kein ausgeprägtes Online-Profil existiert, überlege zusammen mit Deinem Kind, was wesentliche Eckpfeiler sein können, damit das Online-Profil jenem in der Offline-Welt entspricht.
  • Fremde bleiben auch in der Onlinewelt Fremde! „Befreunde“ Dich also nicht mit Personen, die Du nicht kennst.
    Auch: Gib niemals Deinen vollen Namen, Alter und Aufenthaltsort auf einmal preis!
  • Für Eltern und Erwachsene in der Begleitung des Kindes in die digitale Welt ist es absolut entscheidend, das Kind fortwährend zu betreuen, zu beobachten und immer wieder über die Schritte in die digitale Welt mit dem Kind zu sprechen.
  • Nichts ist so dringend, als dass es keinen Extra-Atemzug verträgt!
    Gerade in neuen, unbekannten oder emotional aufregenden Situationen poste nicht einfach wild darauf los. Eine Minute Zurücklehnen und tief Durchatmen vor dem Post oder dem Absenden einer E-Mail schützt Dich vor unüberlegten Handlungen, die Du später nicht mehr zurückdrehen kannst.
  • Bestimmt gemeinsam sogenannte „Device-free-zones“!Dabei geht es sowohl um konkrete Orte als auch Zeiten und Situationen, in denen der Medienkonsum reguliert wird. Eine ungestörte Nachtruhe, also ein komplett geschützter Raum ohne Smartphone, Datenupdates etc. ist für die Entwicklung jedes Kindes unerlässlich!

iRules.co: Mehr wertvolle Hilfestellung zur digitalen Erziehung denn „Vertrag“!

Auch wenn dies im heutigen Panel und speziell beim „Vertrag“ zur iPhone-Nutzung nicht so rüberkommt, geht es aus meiner Sicht bei Teenagern vor allem darum, zusammen mit den Kindern ein eigenes Gefühl zu den „richtigen“ Einstellungen zur Privatsphäre und eigene Regeln zu entwickeln. Ebenso sollte es darum gehen, was online geht und was nicht, und nicht blind einen Regelungsrahmen von außen für die eigene Erziehung zu übernehmen. Wichtig vor diesem Hintergrund ist vor allem die These, dass es bei Themen der Privatsphäre nicht um Kontrolle geht, sondern zusammen mit Kindern einen sicheren Regelungsrahmen für eigene Bewegung und Erlebnisse der Kinder zu entwickeln.

Wer auch immer mit seinen Kindern einen ähnlichen Vertrag wie Janell Burley Hofmann machen will, kann dies mittlerweile mit einem Online-Assistenten unter iRules.co machen. Das Tool ist aber viel mehr als ein unterzeichnungsfähiger Vertrag – es gibt Hilfestellung, die man als Inspiration für Gespräche und einen gemeinsamen digitalen Weg mit seinen Kindern nutzen kann!

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