Einschulung / Hilfe, mein Kind kommt in die Schule!

Einschulung: Wie unterstütze ich mein Kind zur Selbständigkeit?

Selbständig werden ist toll! (c) Fotolia.com, Matthew Cole

Selbständig werden ist toll! (c) Fotolia.com, Matthew Cole

Der Start in den Schulalltag bedeutet oft eine große Umstellung für Eltern wie Kinder gleichermaßen. Von jetzt an wird viel von den Kindern erwartet: Langes Stillsitzen, ordentliches Benehmen, aber auch ein gehöriges Maß an Selbständigkeit. Wer noch einen kleinen Träumer oder eine kleine Prinzessin zu Hause hat, die sich gerne auf Mamas Kontrollblick verlassen, der sollte die letzten Wochen und Monate der Kita-Zeit nutzen, sein Kind in Sachen Selbständigkeit zu unterstützen. Je mehr Euer Kind alleine kann, umso leichter fällt dann der Umstieg ins Schulleben.

Vielfältiges Übungsfeld zum Selbständig werden im Alltag

Früher war es notwendig, dass die Kinder schon frühzeitig selbständig eine Schleife binden können. Diese Zeiten sind dank Klett-Verschluss zwar vorbei. Trotzdem ist es eine gute Übung, da beim Schleife binden viel Feinmotorik gefragt ist und auch Geduld erforderlich ist, wenn das Binden nicht gleich auf Anhieb klappt. So können Kinder auf spielerische Weise lernen, mit Frust umzugehen und nicht gleich aufzugeben. Eine Situation, die in der Schule mehr als einmal auf sie zukommen wird.

Selbständigkeit fängt im Kleinen an. Ein Kind, das sich komplett alleine an- und ausziehen kann, hat keine Angst vor dem Umziehen im Sportunterricht. Wer sich morgens selber den Lieblingspulli aus dem Schrank sucht, der wird ihn auch nicht so schnell in der Schule liegen lassen. Und wer seine Jacke alleine zu bekommt, der erspart sich komischen Blicke, weil er nicht ständig um Hilfe bitten muss. Möglichkeiten, unsere Kinder im Alltag zu fordern und zu fördern, gibt es viele.

Ist Euer Kind im Sportverein oder geht mit der Kita immer wieder mal in die Turnhalle? Dann nutzt die Gelegenheit und lasst Sohn oder Tochter die Sporttasche selbst packen. Das kann in mehreren Stufen geschehen. Fragt erst nach, was denn alles in die Sporttasche rein muss und lasst Euer Kind überlegen. Dann packt Sohn oder Tochter die Tasche gleich danach alleine. Kontrolliert dann gemeinsam, ob alles vorhanden ist. Wenn etwas fehlt, lasst Euer Kind nochmal nachdenken, ob es selber darauf kommt.

Irgendwann reicht es, wenn Ihr Eurem Kind sagt, dass es die Sporttasche für morgen fertig packen soll. Dann kontrolliert Ihr nur noch von Fall zu Fall oder heimlich, ob alles dabei ist. Wenn etwas fehlt, könnt Ihr Eurem Kind einfach nur sagen, dass es die Tasche nochmal kontrollieren soll. Oder ihr nehmt auch mal in Kauf, dass etwas nicht dabei ist. Auch so lernt Euer Sohn oder die Tochter, beim nächsten Mal selbst mehr auf den Inhalt zu achten. Das selbe Grundprinzip funktioniert auch für den Flötenunterricht oder das Tischdecken.

Übertragt Eurem Kind die Verantwortung, sein Frühstück für den Kindergarten selbst in den Rucksack zu packen und vielleicht auch, die Wasserflasche zu füllen. Wenn es vergessen wird, ist nicht gleich Verhungern oder Verdursten angesagt und man muss auch nicht den ganzen Vormittag mit leerem Bauch still in der Schulbank sitzen. Sprecht gegebenenfalls mit der Gruppen-Leitung darüber, damit demotivierende Vorwürfe unterbleiben sondern im Gegenteil lobende Worte fallen, wenn das Mitdenken gut geklappt hat.

Selbständigkeit entlastet Eltern wie Kinder

Wir Eltern neigen gerne dazu, den Kindern vieles abzunehmen. Sei‘ es beim Anziehen, Brot schmieren oder den Sportsachen packen – wenn es eilt, dann machen wir das eben schnell selbst. Zwar ist dann für den Moment alles erledigt, doch auf lange Sicht verlassen sich unsere Kinder zunehmend auf uns. Da stellt man sich möglichst ungeschickt an oder tritt im schlimmsten Fall einfach in Sitzstreik mit den Worten „Das kann ich nicht“, und schon ist man wieder in der Zwickmühle zwischen „Ich muss pünktlich zur Arbeit und bin ohnehin schon spät dran!“ und „Mein Kind ist immer noch so unselbständig, wann wird das endlich anders?“.

Selbständigkeit lernt man nicht von jetzt auf gleich. Dazu braucht es Übung und Geduld von beiden Seiten, und ein Teil hängt sicherlich auch vom Charakter ab. Letztendlich ist es aber sowohl im Interesse des Kindes als auch von uns Eltern, dass das Kind eigenständig und unabhängig wird. Denn wer möchte am Elternabend zu hören bekommen, dass man doch bitte schön alte Bananen aus der Schultasche auch mal entfernen sollte oder gerügt werden, dass nach dem Sportunterricht keiner ein liegen gebliebenes Sport-Shirt als seines wieder erkennt, weil Mama immer noch die Tasche packt? Je selbständiger die Kinder sind, umso mehr Zeit bleibt auch für Euch übrig, die ihr dazu nutzen könnt, mit Eurem Kind lesen zu üben oder auch gemeinsam zu spielen!

Schlagworte: , , , , , ,